Lässt sich eine Large Scale-Kompetenzdiagnostik – auch international vergleichend – wissenschaftlich begründen und praktisch realisieren?
Das Projekt der Large Scale-Kompetenzdiagnostik eines der wichtigsten langfristig angelegte Forschungsfeld der FG I:BB. Im Rahmen des KOMET-Projektes hat die Forschungsgruppe mit ihrem chinesischen Teilprojekt, welches 2008 startete, erste Ergebnisse vorgelegt. Die übergeordnete Frage nach der Machbarkeit eines Berufsbildungs-PISA bewegt die Berufsbildungsforschung ebenso wie die Berufsbildungspolitik seit etwa fünf Jahren. Nachdem die BMBF-Initiative zur Etablierung eines Berufsbildungs-PISA unter Beteiligung einiger europäischer Länder ins Stocken geraten ist, haben die Fragen, die im Zusammenhang mit der Durchführung international vergleichender Large Scale-Kompetenzdiagnostik-Projekte zu beantworten sind, an Bedeutung gewonnen. Es sind vor allem Fragen, deren Beantwortung darüber entscheidet, wie sich die Large Scale-Kompetenzdiagnostik als Forschungsfeld entwickeln wird.
- Lassen sich die Leitideen und Ziele beruflicher Bildung sowie die Theorien des beruflichen Lernens und der beruflichen Entwicklung in einem international anschlussfähigen Kompetenzmodell so konkret operationalisieren, dass daraus Messmodelle für die einzelnen Berufe und Berufsfelder abgeleitet werden können und es als Grundlage für die Entwicklung von Testaufgaben dient?
- Gelingt es, ein berufs- und berufsfeldübergreifendes Kompetenzmodell zu begründen, das sich mit einem überschaubaren Transformationsaufwand berufs- und berufsfeldspezifisch anwenden lässt?
- Lässt sich auf der Basis offener (komplexer) Testaufgaben einen hinreichend hohe Interrater-Reliabilität (international) bei der Bewertung der Aufgabenlösungen erreichen?
- Wie lässt sich die inhaltliche Validität der Testaufgaben sicherstellen – unter den Bedingungen höchst unterschiedlicher Berufs- und Berufsbildungsstrukturen?
Die Anforderungen an die Begründung und Dimensionierung eines Kompetenzmodells für die berufliche Bildung sind hoch. Die Heterogenität der internationalen Berufsbildungslandschaft lässt es zunächst als nahezu aussichtslos erscheinen, ein Kompetenz- und Messmodell zu entwickeln, das der Vielzahl der oben skizzierten Anforderungen gerecht wird. Nach drei Jahren Testpraxis können wir davon ausgehen, dass das im KOMET-Projekt erstellte und überprüfte dreidimensionale Kompetenzmodell eine tragfähige Lösung auch für umfangreichere – international vergleichende – LS-KD-Projekte darstellt.


